Montag, 20. Juli 2015

Griechenlands „Geldgeber“: die verdeckten Geldnehmer - Andreas Popp











Griechenlands „Geldgeber“: Die verdeckten Geldnehmer

Die Medienberichte über Griechenland und seine Verhandlungen mit
„internationalen Geldgebern“ werfen Fragen auf: Was sind eigentlich
Geldgeber? Und wer sind in Griechenland und anderen Ländern die
tatsächlichen Geldgeber und Geldnehmer?


von Andreas Popp

Als pdf-Datei herunterladen: griechenland-geldgeber.pdf

Die geballte Überforderung der Eurokraten oder IWF-Repräsentanten
wird uns täglich durch das hilflose Gestammel der journalistischen
Berichterstattung über die sogenannten Staatsschulden Griechenlands
deutlich gemacht. Manchmal kann man es kaum glauben, wenn man in
Interviews und Zeitungsartikeln die Bewertungen zur aktuellen Lage
liest.


Bildlich gesprochen ist der Euro-Währungsraum mit einem verunfallten
Auto vergleichbar, an dem das Heck, die Front und das Dach nahezu
zerstört sind, ein Kaufinteressent aber einen kleinen, durch Steinschlag
verursachten Lackschaden moniert, den er an einem Rest vom Kotflügel
entdeckt.


Nahezu alle Informationen lassen sowohl Sachverstand als auch eine
klar definierte Kritik vermissen. Stattdessen erfährt der
Medienkonsument eine unterschwellige bis offene Panikmache mit
Horrorszenarien im Falle eines „Grexit“. Die griechische Abwehr des
EU-Finanzterrors wird von den Medien, die das Wort „Lügenpresse“ gerne
als Unwort sehen wollen, dreist als „Nein zu Europa“ umgedeutet, als ob
die Griechen nicht mehr zum Kontinent gehören wollten. Zum Glück
erfahren sie allerdings eine große Solidarisierung der Menschen des
übrigen Europas, die ebenfalls unter diesem EU-Finanzterror leiden. Eine
erfolgreiche und einfache griechische Staatsentschuldung durch ein
neues Finanzsystem könnte eine Kettenreaktion auslösen. Es besteht die
Chance einer Weltentschuldung, was zu einer globalen Befreiung der
Leistungsträger führen würde.


Mit größten Anstrengungen durch Medien und Politik, wird derzeit
versucht, dies noch so lange wie möglich hinauszuzögern. Eine der
effektivsten Methoden der Manipulation, die dabei eingesetzt werden, ist
die Verwendung von Wörtern in einem verfälschten Sinn. Der Begriff
Populismus beispielsweise leitet sich von populus ab, dem lateinischen
Begriff für das Volk. Ein Populist versucht, das zu tun, was das Volk
will. Dieses Wort ist heute jedoch verpönt. Ebenso ist es z.B. auch mit
dem Wort radikal, welches sich aus dem lateinischen „Radix“ ableitet und
die Wurzel fokussiert, wenn wir einem Symptom z.B. auf den Grund gehen
möchten. „Du radikaler Populist“ wird aufgrund der Wortbelegungen nicht
als Lob erkannt. Dagegen werden Aussagen wie „Verbrauch ankurbeln“
positiv belegt und somit die sinnlose Verschwendung von wertvollen
Ressourcen zu Lasten unserer nachfolgenden Generationen.


Die Menschen sind der Manipulation durch Medien und Politik
regelrecht ausgeliefert. Diese infiltrieren Begriffe wie
„Rettungspaket“, „Beitragsservice“ usw. professionell in unsere Köpfe.
Wer einmal einen Sinn dafür entwickelt, findet solche Worte in praktisch
jeder Publikation, die über den Medien-Politik-Apparat als
veröffentlichte Meinung in Umlauf gebracht wird. Auf der anderen Seite
versucht dieselbe Clique, Begriffe wie „Lügenpresse“ zu unterbinden. Die
Begründungen dafür lassen sich jedoch sehr leicht widerlegen, wie Rico
Albrecht in seiner Ausarbeitung www.wissensmanufaktur.net/luegenpresse-gegen-verschwoerungstheoretiker nachgewiesen hat.


Unsere aktuelle medial durchs Dorf getriebene Sau ist die sogenannte
drohende „Pleite Griechenlands“, als könne ein ganzes Land pleitegehen.
Natürlich kann ein Staat pleitegehen, der sich in einem Land befindet,
aber doch nicht das ganze Land. Dasselbe gilt für Deutschland und alle
anderen Länder auf der Welt. Staaten können pleitegehen… aber nicht
ganze Länder – also mitsamt aller Menschen und Unternehmen, Bergen und
Tälern, Straßen und Brücken und so weiter. Das ist ein wesentlicher
Unterschied, der in den veröffentlichten Darstellungen fast immer
ignoriert wird.


Davon abgesehen könnte sich der griechische Staat anders als erwartet
von seinen Schulden befreien, wie Karl Albrecht Schachtschneider in
seiner Analyse der Rechtslage der Staatsschulden Griechenlands darlegt.
Seinen Aufsatz finden Sie unter www.wissensmanufaktur.net/griechenland-staatsschulden.


Über solche Fakten hört man in den von der meinungsbildenden Branche
veröffentlichten Meldungen natürlich nichts. Stattdessen konfrontiert
man uns mit irreführenden Begriffen wie „internationale Geldgeber“ oder
„Verhandlungen mit den Geldgebern“, ohne dass dabei Namen genannt
werden. Wir warten auch vergeblich auf die korrekte Artikulierung wie
„Verhandlungen mit den Geldherstellern, Zinswucherern oder Kredithaien“.
Diese Begriffe würden die realen Verhältnisse wesentlich treffender
beschreiben.


Was bedeutet eigentlich dieses Wort: „Geldgeber“? Und wer sind in
Griechenland und anderen Ländern die tatsächlichen Geldgeber? Ein
Geldgeber ist ganz einfach jemand, der Geld gibt. Der Begriff „Geben“
ist äußerst positiv belegt. Eine Gegenleistung erscheint damit nicht
verbunden zu sein. Auch z.B. Kunden bezahlen mit Geld, was aber mit
Gegenleistungen verbunden ist, weshalb Kunden eben Kunden heißen und
nicht Geldgeber. Auch Banken sind keine Geldgeber, sondern bestenfalls
Geldverleiher, meistens aber nur Kreditgeber. Bei der Kreditvergabe wird
Geld erzeugt. Das ist auch etwas anderes als z.B. bei einem
Geldverleiher, der immerhin vorhandenes Geld verleihen würde, anstatt es
im Rahmen der Kreditvergabe (Giralgeldschöpfung)
selbst herzustellen, wie es die Banken tun, die den griechischen Staat
und andere in die Schuldenfalle treiben. (In den Veröffentlichungen der
Wissensmanufaktur werden diese Zusammenhänge des Geldsystems
grundsätzlich erklärt.) In jedem Fall ist es aber kein bloßes Geben,
wenn etwas mit Gegenleistungen verbunden ist, sondern ein Kauf, ein
Tausch, ein Kredit usw. Wenn man das Geld irgendwann zurückhaben möchte,
ist es ein Verleihen – und kein Geben! Der Begriff Geldgeber klingt
halt sehr großzügig. Das wirft die Frage auf, wer damit wen
verherrlichen will und warum diese Irreführung flächendeckend
vorzufinden ist.


Namen der sogenannten „Geldgeber“ kann man leider nicht ermitteln,
denn auch in Griechenland ist es wie in Deutschland eines der am besten
gehüteten Staatsgeheimnisse, von wem die Staaten sich Geld leihen
müssen, weil sie es nicht selbst herstellen dürfen.


Propagandabereinigt müssen wir die angeblichen Geldgeber als
Geldnehmer bezeichnen, weil sie das selbst hergestellte Geld
zurückfordern und unterm Strich – in Form von Zinsen – ständig Geld
nehmen.
Wir können die internationalen Finanzinstitute und
andere Geldnehmer auch als Leistungsnehmer bezeichnen, da sie die
Zinsen, die sie für leistungslos produziertes Geld erhalten, in der
Regel gegen echte Leistungen Anderer eintauschen. Unterm Strich sind
also die Steuerzahler die Geldgeber, sprich Leistungsgeber, denn sie
geben dem Staat mehr Geld als sie von ihm bekommen. Ein Großteil der
Steuern fließt in Form von Zinsen an die kreditvergebenden,
internationalen Geldhersteller und andere Geldnehmer bzw.
Leistungsnehmer.


Eine ähnlich irreführende, vernebelnde, propagandaartige Vokabel ist
in diesem Zusammenhang der Begriff „Hilfsgelder“, mit dem man
zinspflichtige Kredite gern als Hilfe darstellt, als würde ein
humanitäres Paket geschnürt. Wenn dann, wie aktuell in Griechenland
geschehen, das Volk per Referendum keine „Hilfsgelder“ annehmen will,
ist es selbst schuld. Die Verwendung solcher uns täglich medial um die
Ohren gehauener Begriffe ist unsachlich und nachweislich falsch.


Die Spur dieser Propagandabegriffe lässt sich quer durch den gesamten
Medien-Politik-Apparat verfolgen, wo in vorauseilendem Gehorsam, die
gewünschte Wortwahl wie gleichgeschaltet übernommen wird. Es ist eine
„stille Gleichschaltung“.


Wenn das derzeitige, krisenbehaftete Finanzsystem in Griechenland
scheitert, braucht man dort eine befreiende Alternative. Dafür gibt es
den Plan B der Wissensmanufaktur jetzt auch auf Griechisch.


Ihr Andreas Popp, Juli 2015


Als pdf-Datei herunterladen: griechenland-geldgeber.pdf

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